Der Apostelbrief

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Nr. 135

Endlich Ferien!

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Das Wort „Ferien“ kommt in der Bibel nicht vor. Das Wort „Urlaub“ auch nicht. Dagegen kommen Worte wie „Arbeit“ oder „arbeiten“ in der Lutherbibel über zweihundertmal vor. Und schon ganz am Anfang der Bibel sagt Gott zu den Menschen „im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“ (1. Mose 3,19). Müssen wir also ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir jetzt im Sommer für ein paar Wochen die Arbeit Arbeit sein lassen und Urlaub machen?

Der Wechsel von Arbeit und Ruhe ist in der Bibel immer wieder Thema. Das geht schon in der Schöpfungsgeschichte los, wenn beschrieben wird, dass Gott geruht hat, nachdem er die Welt geschaffen hatte. Deshalb sollen auch die Menschen sechs Tage arbeiten und am siebten Tag ausruhen. Davon sollen auch die Haustiere und die Sklaven – heute würden wir eher von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sprechen – profitieren (2. Mose 23, 12). Daraus wurde der Sabbat der Juden, den die Christen auf den folgenden Tag verschoben haben, weil Jesus an einem Sonntag auferstanden ist.

Auch wenn der Sonntag heute für die meisten Menschen arbeitsfrei ist, sind wir an diesem Tag doch oft sehr aktiv. Ausflüge mit der Familie, Feste in Vereinen und Gemeinden, sportliche oder kulturelle Veranstaltungen sind oft so anstrengend, dass man froh ist, wenn man sich am Montag im Büro wieder erholen kann.

Dabei ist der Wechsel von Arbeit und Freizeit, von Anspannung und Entspannung nicht nur eine wichtige Voraussetzung dafür, gesund zu bleiben. Regelmäßige Phasen der Ruhe und Entspannung fördern auch die Produktivität, wenn man arbeitet.

Die moderne Kommunikationstechnik macht es für viele Zeitgenossen immer schwerer, Distanz zu ihrem Alltag zu gewinnen. Und viele gesellschaftliche Konventionen, die früher dafür sorgten, dass die Sonntagsruhe ihren Namen verdiente, greifen heute nicht mehr. Deshalb müssen wir mehr als früher ganz bewusst abschalten – nicht nur das Handy oder den Computer.

Wenn wir also nun im Sommer oder auch zu einer anderen Jahreszeit Urlaub machen, müssen wir nicht nur kein schlechtes Gewissen haben, sondern leben so, wie es Gott in der Bibel geboten hat, weil es unserem Wesen entspricht. Die Bibel ermahnt uns dabei, den Urlaub wirklich als Zeit der Entspannung und der Ruhe zu nutzen. Der dänische Philosoph und Theologe Sören Kierkegaard bemerkte in diesem Zusammenhang „Müßiggang an sich ist keineswegs eine Wurzel allen Übels, im Gegenteil, er ist ein wahrhaft göttliches Leben, wenn man sich nicht langweilt.“

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