Der Apostelbrief

August - September 2019
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Nr. 135
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Auf ein Wort:

Kirchenaustritte

Liebe Gemeinde,

gerade kam die Meldung, dass 2018 mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten sind, als im Jahr zuvor. 220000 aus der evangelischen, 216000 aus der katholischen. Einzig im Jahr 2014 waren es mehr. Und schnell kommen die Erklärungen. Das sei dem Umgang mit Missbrauch in der Kirche geschuldet. Dies hätte viele enttäuscht. Mag sein. Aber ich glaube, dass das höchstens der Auslöser war. Die Entfremdung ging dem schon lange voraus. Man wird heute nicht mehr scheel angesehen, wenn man austritt. Es ist normal geworden. Und so gehen viele, die mit dem Glauben eh nie viel anfangen konnten. Geld sparen kann man damit ja noch obendrein, auch wenn es längst nicht so viel ist, wie es zunächst klingt.

Spürt man diese Entwicklung auch in unserer Kirchengemeinde in Gerbrunn? Ja, natürlich. Immer wieder habe ich einen kleinen Packen Austrittserklärungen auf dem Schreibtisch liegen. Ich achte die freie Entscheidung der Menschen. Schmerzen tut es dennoch.


Der Rückgang der Gemeindegliederzahlen ist sogar noch dramatischer, als es die Austritte ahnen lassen. Seit 2001 haben wir 353 Gemeindeglieder verloren, Stand 2018 sind es noch 1285. Neben Austritten sind es Sterbefälle und Wegzüge, die dazu geführt haben. Sie werden nicht mehr durch Taufen und Zuzüge von Evangelischen ausgeglichen. So sind wir bereits unter die Mindestzahl für eine ganze Pfarrstelle gerutscht. Da wird es spannend, wie es weiter geht.

Natürlich macht man sich auf allen Ebenen angesichts dieser Entwicklungen viele Gedanken. „Profil und Konzentration“ nennt sich der aktuelle Strukturprozess, der die Kirche für die Zukunft fit machen soll, angesichts schrumpfender Gemeinden, hohen Instandhaltungskosten für Gebäude, mangelnden Nachwuchs und vor den Herausforderungen des digitalen Zeitalters. Da werden viele sinnvolle Gespräche in Gang gebracht. Wichtiger aber ist, dass wir miteinander wieder Menschen für das Evangelium von Jesus Christus gewinnen. In ehrlicher, schlichter, persönlicher Sprache. Wagen Sie das Gespräch mit Freunde*innen, Arbeitskolleg*innen, Nachbar*innen, Kindern und Enkeln über Ihren Glauben. Bringen Sie sie mit in die Gemeinde. Gerade auch die Fernstehenden und Zweifler. Und hoffen und beten wir, dass der Geist Gottes auch heute noch begeistern kann. Zumindest das - Beten - kann jede und jeder von uns.

Eine gesegnete Sommerzeit Ihnen allen!

Ihr Pfr. J. Riedel