Der Apostelbrief

Oktober - November 2019
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Nr. 136

Ablasshandel 2.0

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In Brandenburg verdorren Felder und Wälder, weil es in den letzten beiden Jahren viel zu wenig geregnet hat. In Mosambik hat der Zyklon Idai im Frühjahr dieses Jahres die Ernten auf riesigen Flächen vernichtet.

Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass die Versorgung mit Lebensmitteln trotz des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts nicht allein in unserer Hand liegt. Christinnen und Christen feiern deshalb Anfang Oktober das Erntedankfest, um Gott dafür zu danken, dass auch in diesem Jahr der Kreislauf von Saat und Ernte zumindest bei uns funktioniert hat und genügend Getreide, Obst und Gemüse geerntet werden konnte.

Die oben genannten Beispiele machen deutlich, dass das bei weitem nicht selbstverständlich ist. Es ist weitgehender wissenschaftlicher Konsens, dass solche extremen Wettersituationen durch den Klimawandel begünstigt und daher in Zukunft noch häufiger auftreten werden.

Ebenfalls weitgehend unumstritten ist die Ursache des Klimawandels: der Ausstoß von Klimagasen wie Kohlendioxid oder Methan durch den Menschen.

Um das Problem an der Wurzel zu packen, müsste sich unser Lebensstil grundlegend ändern. Wir müssten weniger oder gar kein Fleisch essen, das Auto öfter stehen lassen, auf nicht unbedingt notwendige Flugreisen verzichten, und so weiter.

Ein Ausweg scheinen da CO2-Ausgleichszertifikate zu sein. Wenn ich schon fliegen muss, kaufe ich solche Zertifikate und mit dem Geld werden irgendwo auf der Welt Bäume gepflanzt, die so viel CO2 binden, wie ich es durch meinen Flug freigesetzt habe. Der Handel ist einfach: Geld gegen gutes Gewissen oder man könnte es auch Ablasshandel in Zeiten des Bionade-Biedermeiers nennen.

Natürlich ist es für das Weltklima nicht ausschlaggebend, ob ich mit dem Auto, mit der Bahn oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre. Aber jeder und jede von uns ist zunächst für die eigenen Handlungen verantwortlich. Und wenn ein hochtechnisiertes und entwickeltes Land wie Deutschland seinen CO2-Fußabdruck nicht in den Griff bekommt, wie sollen das dann Länder wie Indien oder China schaffen?

Für Christinnen und Christen gilt der Auftrag Gottes an die Menschen aus der Schöpfungsgeschichte: die Erde zu bebauen und zu bewahren. Deshalb sollten sie eine Vorbildrolle einnehmen, wenn es um die Bewahrung der Schöpfung geht.

Welche Konsequenzen das im Einzelnen hat, wird für jede und jeden von uns unterschiedlich aussehen. Was zu tun ist, ist grundsätzlich bekannt. Jetzt liegt es an uns, sorgsam und verantwortlich mit den Ressourcen umzugehen, die uns zur Verfügung stehen.

-pv-