Der Apostelbrief

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Unersetzbar

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Eines Tages ruft ein Chef einen seiner Mitarbeiter zu sich und eröffnet ihm: »Maier, ich wüsste gar nicht, was ich ohne sie tun sollte, aber wir probieren das einfach mal ab dem nächsten Ersten aus.« Wer kennt das nicht: Menschen, die einen Betrieb, eine Familie oder eine Gemeinde am Laufen halten. Ohne deren Initiative und Hartnäckigkeit vieles nicht möglich wäre. Solche Menschen sind einfach nicht zu ersetzen.

Und wer hält sich nicht manchmal selbst für unersetzlich? Die Mutter, die – obwohl krank – den Haushalt schmeißt oder der Angestellte, der sich mit Schmerzen und Fieber ins Büro schleppt, weil ohne ihn doch sowieso nichts geht.

Aber irgendwann kommt der Moment, wo einer dieser »unersetzlichen« Menschen dann auch beim besten Willen seine Pflichten nicht mehr erfüllen kann. Und dann kommt die große Überraschung: es geht trotzdem. Vielleicht nicht so schnell oder so elegant, aber es geht! Eigentlich deprimierend – jeder ist ersetzbar.

Aber bisher war ja nur von den Funktionen die Rede, die ein Mensch in der Familie oder in einem Unternehmen ausübt. Und da zeigt die Erfahrung in der Tat, dass kein Mensch wirklich unersetzlich ist. Ganz anders sieht das aus, wenn man die Lücke ansieht, die ein Mensch als Person hinterlässt.

Wenn ein Mann nach vierzig Jahren Ehe stirbt, hinterlässt er eine Lücke, die in der Tat nicht von anderen Menschen ausgefüllt werden kann. Vielleicht lernt die Frau nach einigen Jahren einen anderen Mann kennen und lieben. Aber das ist kein Ersatz für den ersten Partner. In dieser Hinsicht ist ein Mensch nie ersetzbar. Das gilt vor allem für die Kinder und ihre Eltern.

Unter dem Strich ist also Entspannung angesagt. Egal was unsere Funktionen in Gesellschaft, Familie oder Gemeinde sein mögen: die Welt geht nicht unter, wenn wir einmal nicht so »funktionieren«, wie das von uns erwartet wird. Andererseits sind wir aber auch nicht einfach austauschbar. Jeder Mensch ist einzigartig. Oder wie es Paul Anton de Lagarde ausdrückte: »Jeder Mensch ist ein besonderer Gedanke Gottes«. Das gibt ihm seine Würde. Auch wenn Armeen und Konzerne es gerne anders hätten: Menschen lassen sich nicht auf ihre Funktionen reduzieren. Jeder Mensch ist ein Individuum, unverwechselbar und nicht zu ersetzen.

-pv-