Der Apostelbrief

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Ein Jahr der schlechten Nachrichten ...

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... soll das noch junge Jahr 2009 werden. So sagte es unsere Bundeskanzlerin. Und laut Infratest geht nur jeder fünfte Deutsche davon aus, dass es ihm persönlich in zehn Jahren wirtschaftlich besser gehen wird als heute.

Normalerweise stoßen wir in der Silvesternacht auf das neue Jahr an und warten ab, was es uns bringt. Nicht so dieses Jahr – viele Zeitgenossen glauben heute schon zu wissen, was sie im neuen Jahr erwartet: nichts Gutes.

Was soll man auch von einem Jahr erwarten, für das eine ausgewachsene Rezession vorhergesagt wird, in einem Land, in dem die Alterspyramide kippt und in einer Welt, die vor dem Klimakollaps steht? Unkenrufer haben jedenfalls Hochkonjunktur.

Mitten in diese düstere Endzeitstimmung leuchtet die Jahreslosung für das Jahr 2009: »Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich« (Lukas 18,27).

Mit diesem Vers endet der Bericht vom »reichen Jüngling«, der Jesus nach dem Weg zu Gott fragt, dann aber doch zurückschreckt, als Jesus ihn auffordert, all seinen Besitz zu verkaufen, den Erlös unter den Armen zu verteilen und ihm nachzufolgen. Jesus will mit diesem Satz seinen schockierten Zuhörern klar machen, dass Menschen nicht aus eigener Kraft zu Gott kommen können, sondern darauf angewiesen sind, dass Gott ihnen entgegen kommt.

Aber auch losgelöst von dieser speziellen Situation sagt der Vers viel über das Verhältnis von Mensch und Gott aus.

Es gibt Situationen, in denen wir Menschen nichts ausrichten können. Es wäre vermessen, zu glauben, dass Menschen die Welt unter Kontrolle haben könnten. Wir erleben das bei Naturkatastrophen, im Angesicht von Krankheit und Tod oder auch nur, wenn unser Auto auf einer Eisplatte ins Rutschen kommt.

Aber für Christen ist das nicht das letzte Wort. Denn »was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich«. Jede und jeder von uns hat es entweder schon selbst erlebt, oder kennt Erzählungen darüber, wie ausweglose oder heillos verfahrene Situationen sich so wunderbar aufgelöst haben, dass wir uns das nicht anders erklären können, als dass Gott hier eingegriffen hat.

In vielen dieser Fälle sieht die Lösung allerdings ganz anders aus als erwartet oder erhofft. In einem der schwierigsten Verse des Römerbriefs schreibt Paulus, dass »denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen« (Römer 8,28). Wenn Gott handelt, tut er, was unter dem Strich für uns am besten ist und nicht unbedingt das, was wir uns gerade wünschen.

Was also tun mit dem neuen Jahr mit dem schlechten Ruf? Zum einen könnte es angesichts der miesen Prognosen gut sein, dass es nicht so schlimm wird, wie befürchtet. Und wenn doch, müssen wir uns wenigstens nicht dem Wahn hingeben, dass wir alles, was sich da abspielt unter Kontrolle haben müssten. Wir wissen, dass Gott weit mehr Möglichkeiten hat, als wir uns das ausmalen können und dass Gott uns auch durch schwierige oder sogar hoffnungslose Situationen hindurchträgt, wenn auch vielleicht anders als erwartet.

Und so gibt es 2009 dann doch wenigstens eine gute Nachricht: »Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.«

-pv-