Der Apostelbrief

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Die Notfallseelsorge im Raum Würzburg

Interview mit dem leitenden Notfallseelsorger Pfr. Frank Hofmann-Kasang

Egal, ob Unfall, Brandkatastrophe oder Rettungsaktion: Wo Leid ist, sind Helfer nicht weit. Doch was passiert, wenn Helfer Hilfe brauchen. Notfallseelsorger kümmern sich nicht nur um Opfer, Angehörige und Beteiligte von Notfällen. Sie nehmen sich auch der Helfer an.

Einrichtungen der Notfallseelsorge existieren in praktisch allen evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland. In Unterfranken bieten weit über 20 Pfarrer, Diakone und Pastoralreferenten psychosoziale und seelsorgerische Unterstützung.

Seit wann gibt es Notfallseelsorge bei uns rund um Würzburg?

Die Notfallseelsorge wurde am 1. Dezember 1995 von Karl-Heinz Wagner, dem damaligen Standortpfarrer der Johanniter Unfallhilfe Würzburg gegründet. Von Anfang an war klar, dass es ein Dienst der Kirche an der Gesellschaft sein sollte und wenn überhaupt dann nur ökumenisch. Mitgetragen wurde das Ganze von allen Rettungsorganisationen in und um Würzburg (Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehren, Johanniter, Malteser, Rotes Kreuz und Polizei). Diese Zusammenarbeit funktioniert bis heute sehr gut und ist die Basis unserer Arbeit. Irgendjemand muss ja im Noteinsatz an uns denken um uns zu rufen.

Welches Gebiet betreuen Sie?

Wir sind in Stadt und Landkreis Würzburg im Einsatz. Alles was da hineinfällt, von Ochsenfurt bis Karlstadt und von Remlingen bis Rottendorf.

Wie und wann werden Sie gerufen?

Wir werden grundsätzlich über die Rettungsleitstelle alarmiert. Sie ruft unseren Funkmeldeempfänger und wir melden uns dann telefonisch. Dann erhalten wir Informationen wo wir gebraucht werden, ob im Haus oder auf der Straße. Wir werden oft gerufen, wenn eine Reanimation ohne Erfolg verlief und Angehörige mit der erstenTrauerreaktion alleine wären. Denn Rettungsdienst und Notarzt haben ja ihre Arbeit getan und müssen für nächste Einsätze wieder bereit sein. Da ist der Notfallseelsorger oder die Seelsorgerin der- oder diejenige, die mit Zeit und Ruhe erste Ordnung in das Gedankenchaos bringen kann und bleibt, bis ein tragendes soziales Netz geknüpft ist.
Aber auch der Einsatz an der Unfallstelle steht an, für nicht körperlichverletzte, aber traumatisierte Beteiligte. Oder eine Todesnachricht ist zu überbringen, ein Suizid zu verhindern.

Pfr. Hofmann-Kasang
Pfr. Hofmann-Kasang zusammen mit dem ehrenamtlichen Regionalvorstand der JUH Arwed


Für wen werden Sie gerufen?

Wir sind für die Menschen da, um deren Seele wir uns sorgen müssen, die etwas Belastendes erlebt haben und da Begleitung brauchen.

Wie oft kommen Sie zum Einsatz?

Wir sind im Durchschnitt zwei mal in der Woche im Einsatz. Wir haben allerdings zwei Ebenen der Notfallseelsorger/innen. Der »Leitende Notfallseelsorger«für schwere, insbesondere aushäusige Einsätze und der Notfallseelsorger »vom Dienst« für innerhäusliche Einsätze. Also pro Woche stehen zwei Seelsorger bereit.

Wie verarbeiten Sie die Eindrücke, wie werden Sie damit fertig?

Zunächst verarbeiten wir die Eindrücke im Protokoll über den Einsatz. Da sortieren wir uns selbst. Manchmal tut es aber auch schon gut nach Hause zur Familie zu kommen. Regelmäßig reflektieren wir auf unseren Konferenzen unsere Einsätze. Aber grundsätzlich stehen wir auch untereinander für Gespräche zur Verfügung. Ein Klinikseelsorger im Ruhestand ist für die Fälle bereit, in denen wir intensive Beratung brauchen.

JB

Mehr Informationen zur Notfallseelsorge liefert die Internetseite des Bistums Würzburg unter www.bistum-wuerzburg.de oder Pfarrer Thomas Kessler, Beauftragter für die Notfallseelsorge in der Diözese Würzburg, Telefon: 0971 6998280, E−Mail: thomas.kessler@bistum-wuerzburg.de. Auf evangelischer Seite: Pfarrer Frank Hofmann-Kasang, Konrad-Adenauer-Straße 16, 97230 Estenfeld,
Telefon: 09305 8222, E−Mail: evang.estenfeld@t-online.de