Der Apostelbrief
August - November 2026

Im Dienste unserer Gemeinde:
Jürgen Buchner (Organist)

In der letzten Ausgabe des Apostelbriefs findet man ein Interview mit Frau Aupperle, die ab und zu den Orgeldienst in der Apostelkirche übernimmt. Das folgende Interview habe ich mit Dr.Jürgen Buchner (um präzise zu sein: Dr. Dr. Dr. Jürgen Buchner) geführt, der in unserer Kirche seit einiger Zeit etatmäßig die Orgel spielt.

Apostelbrief: Verehrter Maestro Buchner, lieber Jürgen, zunächst herzlichen Dank für deine Bereitschaft zu diesem kleinen Interview. Ein Blick auf deine Vita erinnert an die Universalgelehrten vor 200 Jahren, als das Bildungsideal der Berliner Klassik von Gelehrten nicht nur profunde Kenntnisse in ihrem Fach, sondern auch eine umfassende Beschäftigung mit den Künsten erwartete: Du hast Jurisprudenz, Kirchenrecht, Musikwissenschaften und Musikpädagogik bis zur Promotion studiert. Wie kam es dazu?

J.B.: Schon in der Schule wurde durch den entsprechenden Unterricht mein Interesse für die Fächer Wirtschaft und Recht geweckt. Als Ministrant in der Domgemeinde wurde ich mit der Chor- und Orgelmusik bekanntgemacht. Nach dem Unterricht beim damaligen Domorganisten konnte ich durch Orgelspiel in der Würzburger Pfarrei „Unsere Liebe Frau“ meine Studien in Würzburg und Straßburg finanzieren.

Apostelbrief: Was waren denn die Titel deiner drei Dissertationen?

J.B.: Im Kirchenrecht (Päpstliche Universität Antonianum/Rom): Die Paleae im Decretum Gratiani – Kriterien für eine neue Palea-Liste. (Die Palea sind spätere Zusätze zum „Decretum Gratiani“, einer Sammlung aus dem 12. Jahrhundert zum katholischen Kirchenrecht aus Konzilien, päpstlichen Dekreten und patristischen Texten, Anm. d. Red.).

In der Musikwissenschaft (bei Prof. Dr. Ulrich Konrad): Das Carillon am Schloss zu Darmstadt. Studien zur Baugeschichte und zur musikalischen Überlieferung im 17. und 18. Jahrhundert.

In Jura (bei Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf): Der Strafrechtsordinarius Friedrich Oetker. Ein Beitrag zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit der Würzburger Universitätsgeschichte.

Apostelbrief: Stichwort Carillon: Als ausübender Musiker bist du ja an der Universität Würzburg z.B. als „Carilloneur“ bekannt. Was kann man sich darunter vorstellen?

J.B.: Das Carillon ist ein „Glockenspiel“ aber im Gegensatz zum herkömmlichen Glockenspiel ein künstlerisches Instrument mit Manual und Pedal, im Unterschied zur Orgel allerdings durch den Anschlag der Hände und Füße dynamisch variierbar wie ein Klavier. Das Carillon in Würzburg zeichnet sich durch einen großen Tonumfang aus (51 Glocken chromatisch). Damit kann man 99% der Kompositionen und Bearbeitungen für Carillon spielen. Zum 100. Geburtstag der Königlichen Carillonschule von Mechelen/Belgien (wo ich studiert habe) im Jahre 2022 wurden übrigens 10 Komponisten aus 10 Ländern eingeladen, ein Stück zu diesem Anlass zu schreiben. Mit einigem Stolz darf ich bemerken, dass ich hierbei Deutschland vertreten durfte.

Apostelbrief: Gibt es Orgelwerke und Epochen, die dir besonders am Herzen liegen?

J.B.: Unbedingt: die anglo-amerikanische Orgelmusik des 19. und 20. Jahrhunderts! Ich habe ja an der renommierten Brigham Young University in Provo/Utah/USA studiert und habe viele derartige Stücke kennenlernen können. Diese erfordern allerdings spezielle klangliche Ressourcen, die bei deutschen Orgeln so gut wie nirgends vorhanden sind; in Würzburg gelingt das mit einigen Kompromissen nur an der Orgel der Neubaukirche, wo ich außerdem noch tätig sein darf.

Apostelbrief.: Unsere kleine Orgel in der Apostelkirche ist ja nun wirklich nicht die Erfüllung aller Organistenträume. Trotzdem wünschen wir uns von Herzen, dass du noch lange bei uns bleibst. Was sind deine Wünsche an unsere Gemeinde?

J.B.: Sehr einfach: Ich wünsche mir, dass ich es in Gerbrunn weiterhin so schön habe wie bisher, denn (nicht nur) meine musikalische Situation hier ist -- pointiert ausgedrückt – das Paradies auf Erden! Ich werde auch alles dafür tun, dass es so bleibt. Die kleine Orgel in der Apostelkirche ist für mich da sogar noch ein Ansporn, alles herauszuholen was möglich ist.

Apostelbrief: Lieber Jürgen, ich danke dir für das Gespräch mit diesem sehr optimistischen Abschluss und wünsche dir alles Gute für deine wissenschaftlichen Gedanken sowie deine musikalische und persönliche Zukunft.

Das Interview führte
Jürgen Appell