Der Apostelbrief
April - Juli 2026
Nr. 161

Aktiv gegen Missbrauch –

auf dem Weg zum Schutz der Menschen

Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass auch in den Räumen und Einrichtungen der evangelischen Kirche an vielen Orten in Deutschland vereinzelt oder über einen längeren Zeitraum hinweg grenzverletzende, gewaltsame oder auch sexualisierte Übergriffe vorgekommen sind. Der von der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland eingesetzte Forschungsverbund ForuM (Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie Deutschland) hat im Januar 2024 seinen Abschlussbericht herausgegeben, der erschütternde und beschämende Ergebnisse zu Tage förderte.

Seither bekommt das Thema, bekommen vor allem die Betroffenen die Aufmerksamkeit, die ihnen lange verwehrt wurde: Anlaufstellen wurden geschaffen und bekannt gemacht, die Öffentlichkeit mit dem Thema konfrontiert und Schritte eingeleitet, um Menschen im Raum der Kirche zu sensibilisieren und so gut wie möglich zu schützen. Denn besonders dort, wo die Botschaft von der Liebe Gottes Menschen zusammenruft, besonders dort, wo Menschen miteinander ihren Glauben, ihre Überzeugungen teilen, wo sie sich einander mitteilen und anvertrauen – besonders dort bedarf es der Sicherheit und des Vertrauens, dass die persönlichen Grenzen gewahrt bleiben.

Die Landeskirchen haben Fachstellen für den Umgang mit sexualisierter Gewalt eingerichtet, die nicht nur Anlaufstellen für Betroffene sind (aktiv-gegen-missbrauch-elkb.de"), sondern die die Präventionsarbeit in allen Einrichtungen der Kirche bis auf die Gemeindeebene vorantreiben. In der Auseinandersetzung mit der Thematik, durch Schulungen und Reflexion der eigenen Arbeit werden Menschen in allen Bereichen der Kirche dafür sensibilisiert, grenzverletzendes Verhalten und gefährdende Strukturen zu erkennen und zu beseitigen. Alle Kirchengemeinden der ELKB haben bis Ende 2025 ein Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt erstellt und bei der Fachstelle eingereicht.

Für unsere Pfarrei hat sich hierfür eine Arbeitsgruppe gebildet, die intensiv ein gemeinsames Schutzkonzept diskutiert und den Kirchenvorständen zur Verabschiedung vorgelegt hat. Derzeit liegt das Konzept bei der Fachstelle zur Genehmigung. Die Arbeitsgruppe arbeitet weiter daran, die Maßgaben aus dem Schutzkonzept für die Gemeindearbeit umzusetzen und einen Verhaltenskodex für alle haupt-, neben- und ehrenamtlich Tätigen in unseren Kirchengemeinden zu erstellen. Das Ziel ist, auf diesem Wege mit allen in den Gemeinden tätigen Menschen über das Thema ins Gespräch zu kommen und sie auf einen Konsens zu verpflichten, welche Umgangsregeln in unseren Gemeinden, Gruppen und Kreisen gelten. Sobald das Schutzkonzept genehmigt ist, wird an dieser Stelle weiter darüber zu berichten sein, was die konkrete Umsetzung für unsere Gemeindearbeit bedeutet.

Für die Arbeitsgruppe
Julia Conrad