Der Apostelbrief

Februar - März 2020
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Nr. 138

Auf ein Wort:

Fröhlichkeit

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Liebe Gemeinde,

erst Fasching, dann Passion ­– so lautet zur Zeit das Wechselbad der Gefühle. Schon interessant, dass das wahrscheinlich einzige Lebewesen, das sich seiner Sterblichkeit in vollem Umfang bewusst ist, gleichzeitig wohl auch das einzige ist, das Humor und Fröhlichkeit kultiviert hat. Nun mag die manchmal ein wenig aufgesetzt wirkende Faschings-Fröhlichkeit nicht jedermanns Ding sein. Aber sie zeigt doch, wie wichtig das Lachen als Gegengewicht zum stets nahen Weltschmerz ist. Wer lacht, lacht dem Gefühl der Vergeblichkeit und der eigenen Vergänglichkeit ins Gesicht. Und das tun beide – Ungläubige und Gläubige. Die einen aus einer bewusst oder unbewusst heroischen Haltung heraus: „Du Schicksal magst mich vernichten. Aber du kannst nicht verhindern, dass ich dich auslache!“ Oder aus einem schöngefärbten Fatalismus heraus: „Lasst uns essen und trinken. Denn morgen sind wir tot.“

Die anderen, weil sie nicht mehr an den Tod glauben. Jedenfalls nicht mehr als Letztes.

So wird berichtet, dass die Jünger den Menschen wie beschwipst erschienen seien, als sie an Pfingsten auf die Plätze traten und anfingen zu predigen: „Den gekreuzigten Jesus aus Nazareth ... hat Gott auferweckt und hat ihn befreit aus den Wehen des Todes, denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde“ (Apg 2, 22.24).

Kein Wunder, dass im Mittelalter das Osterlachen in manchen Regionen zur Liturgie des Ostergottesdienstes gehörte. In Russland gibt es die Tradition, dass die Menschen zu Tausenden auf die Friedhöfe pilgern. Sie haben Osterbrote, Ostereier und Wodka dabei und feiern an den Gräbern ihrer Angehörigen heiter und ausgelassen - schließlich ist Ostern das Fest der Auferstehung und nicht das des Todes.

Auch das mag nicht jedermanns und -fraus Sache sein. Aber es zeigt doch, dass wir Christen allen Grund haben, fröhlich zu sein. Ohne dass wir das Schwere und die Tiefe des Lebens verleugnen müssten. Oder in einem heroischen Aufbäumen der Sinnlosigkeit ins Gesicht lachen müssen.

Befreite Fröhlichkeit aus gutem Grund – das könnte und sollte unser Erkennungszeichen als Christen sein.


Ihr Pfarrer Johannes Riedel