Der Apostelbrief

Juni - Juli 2019
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Apr. - Mai 2019
Nr. 134

Auf ein Wort: Mag unser Pfarrer kein Yoga?

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Liebe Gemeinde,

an dieser Stelle habe ich in der letzten Ausgabe über Religionsvermischung geschrieben, über „Fusionsreligion“ in Anlehnung an „Fusionsküche“. Seit Langem hat diese Kolumne wieder einmal Reaktionen ausgelöst - was mich freut. Zeigt es doch, dass unser Apostelbrief anscheinend doch von einigen gelesen wird. Die Reaktionen gingen von großer Dankbarkeit für meine klaren Worte bis hin zu Irritation und Unverständnis. Besonders, dass ich Yoga als Beispiel verwendete, erhitzte einige Gemüter. Und manche fragten sich: Was hat er denn gegen Yoga? Einfache Antwort: Im Prinzip gar nichts. Genauso wenig, wie ich gegen die Wallfahrt nach Mekka als eine der Säulen des Islam etwas habe. Aber ich fände es komisch, wenn man versuchen würde, den christlichen Glauben damit attraktiver für heutige Menschen zu machen, dass man diese Wallfahrt als eine religiöse Übung in die christliche Glaubenspraxis integrieren wollte. Hätte ich dieses Beispiel gewählt, hätte ich sicher keine Proteste geerntet, da es unter uns modernen Christen wenig Affinität zum Islam gibt. Eine viel größere Faszination löst all das aus, was aus dem fernöstlichen Raum - manchmal über den Umweg USA - zu uns drängt. Der Benediktinermönch Willigis Jäger hat in Holzkirchen ein Zentrum für ZEN-Buddhismus aufgebaut, das offenbar regen Zuspruch findet. „Achtsamkeit“ - Teil des „edlen achtfachen Pfads“ Buddhas - ist heute in aller Munde. Seit die Beatles im Ashram von Maharishi Mahesh Yogi meditierten, wurde der mystische Yoga-Weg des Hinduismus zum Inbegriff des New Age, des „Zeitalters des Wassermanns“.

Eine der vielen Spielarten des Yoga ist das bei uns heute sehr beliebte Hatha-Yoga mit all seinen Übungen und Figuren. Ursprünglich als Vorübung zur Meditation gedacht, um den Körper unter die Kontrolle des Geistes zu bringen und stundenlanges Sitzen zu ermöglichen. Ziel des Ganzen ist das Aufgehen der eigenen Seele in der Weltseele Brahman, die weitgehend unpersönlich gedacht wird. Damit verbunden der erhoffte Austritt aus dem Verhängnis ständig wiederkehrender Wiedergeburten, der Reinkarnation.

Als junger Erwachsener, der sich vom christlichen Glauben weitgehend entfremdet hatte, war ich fasziniert von Yoga und später auch von ZEN. Ich übte täglich und ausdauernd. Bis ich merkte, dass man sich nicht selbst erlösen kann. Auch nicht durch noch so strenge spirituelle Übungen. Wer im Sumpf steckt, kann sich nicht selbst befreien. Und da ging mir auf, was ich seinerzeit achtlos hinter mir gelassen hatte: Die wahrscheinliche einzige Religion, bei der die Erlösung von außen kommt, von Gott selbst. Die einzige Religion, in der die Erlösung nicht an meinen Werken, sondern an Gottes Barmherzigkeit hängt und die einfach im Glauben angenommen werden darf. Dies war eine ungemein befreiende Erfahrung für mich, ohne die ich heute nicht Pfarrer wäre. Ich glaube nicht, dass wir dieser Religion etwas Gutes tun, wenn wir ihr wieder Elemente der Selbsterlösungsversuche beimengen oder den von Jesus so persönlich ansprechbar gezeichneten Gott zur gesichtslosen Weltseele degradieren. Christliche Meditation als Konzentration auf Christus - wunderbar. Yoga als säkularisierte Gymnastik - kein Problem. Was aber die Religion selbst angeht, habe ich mich klar entschieden.

Mit den besten Segenswünschen,

Ihr Pfr. J. Riedel