Der Apostelbrief

Dezember 2018 - Januar 2019
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Okt. - Nov. 2018
Nr. 131

Verloren

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Im Leben jeder Christin und jedes Christen gibt es Zeiten, in denen wir ganz sicher sind, dass Gott da ist, dass er uns angenommen hat und dass wir uns auf ihn verlassen können. Am Ende von Freizeiten, Kirchentagen, oder anderen Gelegenheiten, bei denen wir uns intensiv mit unserem Glauben auseinandersetzen konnten und uns mit anderen Christenmenschen austauschen konnten, haben wir oft das Gefühl, dass zwischen Gott und uns kein Blatt Papier passt.

Aber es gibt auch die anderen Zeiten, wenn der Alltag in Familie, Beruf oder Schule uns ganz weit weg von Gott führt. In der Hektik des ganz normalen Wahnsinns haben wir dann das Gefühl, die Verbindung zu Gott verloren zu haben. Vielleicht fragen wir uns sogar, ob da jemals etwas war, oder ob wir uns das alles nur eingebildet haben.

Der Advent bietet eine Chance, die Nähe Gottes neu zu suchen. Dafür müssen wir keine detektivischen Fähigkeiten entwickeln, denn die Botschaft von Advent und Weihnachten ist, das Gott auf uns zukommt und sich von uns (wieder) finden lässt.

Die Erfahrung, dass die Nähe zu Gott Schwankungen unterworfen ist, haben Christinnen und Christen auch früher schon gemacht. Paul Gerhardt hat das in der dritten Strophe seines Adventsliedes „Wie soll ich dich empfangen“ (im Evangelischen Gesangbuch die Nummer 11) so formuliert: „Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht.“

Die Advents- und Weihnachtszeit ist jedes Jahr aufs Neue eine Gelegenheit, sich daran zu erinnern, dass wir Gott wichtig sind und dass er schon die entscheidenden Schritte auf uns zugegangen ist.

Die Weihnachtsbeleuchtung, die Kerzen am Adventskranz und nicht zuletzt die Musik der Adventszeit unterstützen uns dabei, uns für eine erneuerte Beziehung zu Gott zu öffnen.

Und dann können wir am Weihnachtsabend oder an den Tagen danach, wieder mit Paul Gerhardt, singen (EG 37, 2.3):

„Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wollest werden.

Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht‘, wie schön sind deine Strahlen.“

-pv-