Der Apostelbrief

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Auf ein Wort

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Liebe Gemeinde,

vor nicht mal einem Jahr habe ich an dieser Stelle gefragt: »Verdunstet der Glaube?« Nun halte ich das aktuelle Sonntagsblatt für Bayern in Händen. Es titelt: »Kirchendämmerung«. Mit dieser Überschrift fassen die Autoren die neueste Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Mitgliedschaft zusammen. Alle zehn Jahre befragt die Kirche ihre Mitglieder. Ein positives Ergebnis: 13% sind der Kirche »hochverbunden«, hier gibt es einen leichten Anstieg. 4,5 Millionen engagieren sich in der Kirche. Weitere 6 Millionen fühlen sich der Kirche »verbunden«. Immerhin. Allerdings nimmt die Verbundenheit mit dem Alter nach unten dramatisch ab. Bei den 14 – 21-jähringen fühlt sich nur noch jeder fünfte der Kirche irgendwie verbunden. Schon heute ist die eigene Kirche einem Drittel weitgehend bis völlig egal. Der Grund? Von den evangelischen Christen unter 30 Jahren wurden nur noch 55% religiös erzogen, von denen über 60 Jahren waren das noch 83%. Und wer selbst nicht religiös erzogen wurde, wird natürlich auch seine Kinder nicht christlich erziehen. Man kann sich die weitere Entwicklung vorstellen.


So resümiert der Cheftheologe im Kirchenamt der EKD Thies Gundlach im letzten Kapitel der Studie auch sehr (er)nüchtern(d): »Wer einmal weg ist, kommt in aller Regel nicht wieder, sondern nimmt auch noch seine Familie, später seine Kinder und Enkel mit«.

Wem nur irgendetwas an seinem Glauben liegt, den muss hier ein Gefühl von Frust beschleichen.

Und dennoch hege ich die ketzerische Hoffnung, dass sich das Wirken des Hl. Geistes nicht mit der christlichen Erziehung gleichsetzen lässt. Sonst wäre aus unseren abergläubischen germanischen Vorfahren niemals jenes christliche Volk geworden, das einen Martin Luther oder einen Dietrich Bonhoeffer hervorgebracht hat. Wir Christen sind »Protestleute gegen den Tod«, wie Christoph Blumhardt einmal gesagt hat. Die Auferstehung Jesu an Ostern macht uns Hoffnung. Gott kann auch die Kirche zu neuem Leben erwecken. Beten wir dafür! Und leben wir es unseren Kindern und Enkeln vor!

Gesegnete Osterzeit,

Ihr Pfr. J. Riedel